Anlagen in Staatsanleihen werden immer komplexer
Delta Lloyd Asset Management | 10. Februar 2010
Sandor Steverink, Leitender Fondsmanager Anleihen von Delta Lloyd Asset Management, kommentiert:
Die Kreditkrise hat das Bild verändert
Bis vor kurzem bildeten Staatsanleihen von Industrieländern einen sicheren Hafen, auf den jeder Anleger blind vertrauen konnte. So hatten die Regierungen der EU-Länder ihre Finanzen tadellos in Ordnung, und Haushaltsdefizite waren aufgrund der innerhalb der EU vereinbarten Haushaltsregelungen stark begrenzt. Heute stellt sich die Lage ganz anders dar. Sandor Steverink: „Die meisten Industrieländer haben enorme Schulden gemacht, um die Wirtschaft anzukurbeln. Hierdurch ist die große Sicherheit von Staatsanleihen nicht mehr in allen Fällen selbstverständlich.“
Zunehmendes Ausfallrisiko bei Industrieländern
Vor der Kreditkrise war die Ausfallwahrscheinlichkeit in Schwellenländern bei Weitem am größten (5% oder mehr). Inzwischen steigt das Ausfallrisiko aber auch in einigen Industrieländern stark an, so zum Beispiel Griechenland und Island. „Sowohl Griechenland als auch Island wurden wegen ihrer Finanzlage in ihrer Bonität herabgestuft. Das Ausfallrisiko in diesen Ländern steigt beträchtlich an. Weiter verkompliziert wird die Sache dadurch, dass auch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Länder ihre Schulden nicht abbauen wollen, auch wenn sie es durchaus könnten. Island ist hierfür ein sehr aktuelles Beispiel. In der Vergangenheit gab es solche Ausfälle schon in Argentinien und Brasilien.“
Intensive Analyse und größere Streuung sind erforderlich
Wegen der immensen Staatsschulden hat sich das Vorgehen bei Anlagen in Staatsanleihen stark verändert. Sandor Steverink: „Unser Anlageverfahren für die Länderallokation gleicht immer mehr dem Verfahren, das wir bei Unternehmensanleihen anwenden. Es ist enorm wichtig geworden, auch die Länderbilanzen gründlich zu analysieren. Und selbst dann kann sich im Nachhinein herausstellen, dass die von einem Land angegebenen Zahlen nicht stimmen. Aus diesem Grund ist eine größere Streuung wichtig. Wir selbst streuen unsere Investitionen sowohl über Länder als auch über Organisationen. Dies gilt für nationale Regierungen, Bezirksregierungen und bestimmte Behörden. Für Privatanleger ist so ein Ansatz nur sehr schwer umsetzbar.“
Ausblick
In den kommenden Jahren erwartet Sandor Steverink kaum Veränderungen dieser Situation. „Vorläufig bleiben die Analyse und Diversifizierung die Mittel der Wahl. Selbst bei einem Land wie den Niederlanden berücksichtigen wir gegenwärtig ein mögliches Ausfallrisiko. Sollten die Anleihenzinsen kurzfristig steigen, dann nehmen auch die Risiken zu, denn viele Länder müssen in Kürze ihre Schulden refinanzieren. Längerfristig erwarten wir allerdings, dass die Zinsen niedrig bleiben, denn Wachstum und Inflation bleiben begrenzt. Staatsanleihen bleiben eine unentbehrliche und sehr liquide Anlagekategorie mit dem bei Weitem niedrigsten Risiko. Wer aber in diese Anlageklasse investiert, kommt dabei nicht länger ohne die Expertise von Spezialisten aus.“
- Investmentansatz Anleihen
- Delta Lloyd L Bond Euro
- Delta Lloyd L Bond Dollar
- Artikel schließen