Die Bilanz: Ein Jahr nach „Lehman“
Delta Lloyd Asset Management | 24. November 2009
Arnold Gast, Leiter Fixed Income von Delta Lloyd Asset Management, kommentiert:
Rückblick
Der Fall der Investmentbank Lehman läutete vor gut einem Jahr mit voller Wucht die Kreditkrise ein. Gast rekapituliert: „Die Bankbilanzen waren viel zu stark aufgebläht. Durch das hohe Kreditniveau lebten auch die Verbraucher über ihre Verhältnisse. Als die Banken keine Kredite mehr vergaben, sprang notgedrungen der Staat ein. Dass nicht mehr Banken abgestürzt sind, ist nur der staatlichen Unterstützung zu verdanken. Jetzt lautet die Frage: Wie und wann kann sich der Staat wieder zurückziehen?“
Bedeutung für den Rentenmarkt
Vorläufig können die Banken noch nicht ohne staatliche Hilfen auskommen, denn viele Bankbilanzen sind weiterhin schlecht. Außerdem verleihen Banken immer noch zu wenig Geld an Unternehmen und Verbraucher. Das bremst die Nachfrage und führt zu einer Deflation „Voraussichtlich kommt eine lange Niedrigzinsphase auf uns zu“, sagt Gast. „Unternehmen können auf dem Kapitalmarkt billig Geld aufnehmen. Rentenanleger profitieren dabei von ordentlichen Zinskupons und Risikoaufschlägen. Bei soliden Anleihen mit akzeptabler Risikobewertung erzielt man dann schnell eine attraktive Rendite, wesentlich mehr als auf einem Sparbuch.“
Wird 2010 ein entscheidendes Jahr für die Anleger?
Im zweiten Halbjahr 2010 laufen viele staatliche Maßnahmen aus. Dann wird sich zeigen, wie die Regierungen weitermachen und welchen Effekt die Förderpolitik hat. Vielleicht wird auch klarer, ob wir auf eine Phase mit niedrigerem oder höherem Wachstum zusteuern. Gast: „Das Besondere ist, dass der Rentenmarkt mit seinem begrenzten Zinssatz derzeit von einem niedrigen Wachstum ausgeht. Anders als der schnell steigende Aktienmarkt, der auf ein hohes Wachstum setzt. Ich denke, 2010 wird sich zeigen, wer Recht hat.“
Lektionen aus dem Lehman-Crash
Aus dem Zusammenbruch von Lehman haben wir viel gelernt, etwa nur in Anlagen zu investieren, wenn man sicher ist, das die Gegenpartei zuverlässig ist. Außerdem ist nun jedem Anleger bewusst, dass auch Banken Pleite gehen können und dass das Risiko von Finanzierungsformen begrenzt sein muss. Obwohl niemand so eine Krise noch einmal mitmachen möchte, sieht es so aus, als hätten sich viele von den schönen Renditen dieses Jahres schon wieder in den Schlaf wiegen lassen. „Doch das ist nicht berechtigt. Man sollte unbedingt die Bilanzen und die langfristige Fundamentaldaten im Auge behalten“, erklärt Gast.
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