Asset Management
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Die Lehren aus der Kreditkrise

Delta Lloyd Asset Management | 28. April 2010


Dinant Wansink

Dinant Wansink, Stratege Delta Lloyd Asset Management, kommentiert:

Rückblick

Seit 2000 wurde gemeinhin davon ausgegangen, dass sich die Wirtschaft dauerhaft durch ein starkes, nicht volatiles Wachstum und eine niedrige, stabile Inflationsrate auszeichnet. Dies resultierte in einer Risikoprämie von nahezu Null und einem starken Anstieg des Kreditvolumens. Die Euphorie endete 2007, als die amerikanischen Immobilienpreise einzubrechen begannen. Die Leute konnten oder wollten ihre Hypotheken nicht mehr zahlen, was die Banken in Bedrängnis brachte. Das gegenseitige Misstrauen führte zu einer Erstarrung im Bankensektor und letztendlich waren alle von den einschneidenden Konsequenzen der Kreditkrise betroffen. Das Schlimmste scheint nun vorüber zu sein, doch was haben wir aus dieser Zeit gelernt?

Lehrreiche Erfahrungen

Wir haben vor allem gelernt, welch hohe Bedeutung dem Kreditzyklus neben dem regelmäßigen Auf und Ab der Konjunktur zukommt. Wir wissen, dass ein Übermaß an Krediten zu Überbewertungen führt. Die Situation kann jedoch lange anhalten, so dass es schwer voraus zu sagen ist, zu welchem Zeitpunkt man aus- oder einsteigen sollte. Häufig spielt das Vertrauen auf ein staatliches Eingreifen eine entscheidende Rolle. Doch warum setzte auf dem Markt keine Trendwende ein, als die enormen weltweit koordinierten Rettungsaktionen im Oktober 2008 anliefen, sondern erst, als die USA im März 2009 umfassende Konjunkturpakete ankündigten? Im Übrigen war der Wendepunkt in einer Reihe von Emerging Markets bereits im Dezember 2008 erreicht. Auch das ist eine Lehre: Da sie frei von einem Teil unserer westlichen Probleme sind, können sie einen unabhängigeren Kurs fahren.

Staaten in Schwierigkeiten

Ein weiteres großes Problem, das nun noch eine Rolle spielt, ist die hohe Staatsverschuldung, die durch die Konjunkturprogramme entstanden ist. Zunächst schienen die Länder bereit, sich gegenseitig zu helfen, doch diese Solidarität hat schnell nachgelassen. Die Situation in Griechenland ist langfristig offensichtlich unhaltbar. Die Gefahr, dass Griechenland seine Probleme nicht in den Griff bekommt, ist groß. Die Ausgangslage ist sehr schlecht wenn man die Staatsverschuldung, die Wettbewerbsposition und die mangelnde Unterstützung des Sparkurses betrachtet. Einige Länder wie China und Australien fahren ihre groß angelegten währungspolitischen Maßnahmen inzwischen zurück. Auch die mögliche strengere Regulierung der Banken beschäftigt die Finanzmärkte noch sehr.

Was erwartet die Anleger nun?

Wir prognostizieren für längere Zeit ein geringes Wirtschaftswachstum, und ein waches Auge auf die Staatsverschuldung ist weiterhin geboten. Ferner weist der Inflationstrend nun noch nach unten, doch das kann sich ändern. Die Wahrscheinlichkeit einer steigenden Inflation in den nächsten zwei bis drei Jahren wächst vor allem in Ländern wie den USA und Großbritannien. Institutionelle Anleger müssen einschätzen, ob dieses Problem auch die Eurozone und ihr Portfolio betreffen kann, und ob sie dieses Risiko decken können. Kurzum: die Aktienkurse sind im letzten Jahr stark gestiegen, aber es ist noch lange nicht alles im grünen Bereich.