Geringere Wachstumsdynamik zwingt zu Vorsicht
Delta Lloyd Asset Management | 23. Juni 2010
Dinant Wansink, Stratege Delta Lloyd Asset Management, kommentiert:
Regierungen fahren Förderprogramme zurück
Der Mai 2010 war mit einem Rückgang von 7,5 % der schwächste Monat seit Beginn der Erholung auf den weltweiten Aktienmärkten im März 2009. Der Grund sind die Sparmaßnahmen der Regierungen. In den südeuropäischen Euroländern versuchten die Regierungen, ihre Wirtschaft mit gestrafften Haushalten und Deregulierungsmaßnahmen in den Griff zu bekommen, um zu verhindern, dass der Markt extrem hohe Risikoprämien für ihre Anleihen fordern würde. Auch in anderen Ländern ist der politische Rückhalt für weitere Konjunkturpakete verschwunden.
Zunehmende Wirtschaftsregulierung
Während sich in Deutschland die Bevölkerung streitet, ob man notleidende Euroländer unterstützen soll oder nicht, wächst in den USA der Unmut über den Staat, der sich zunehmend in die Wirtschaft einmischt. Dies wird voraussichtlich dazu führen, dass der Staat als Treiber des Wirtschaftswachstums wegfällt. Seit Mai ist auch in Europa klar, dass Banken in Zukunft stärker reguliert werden – noch ist jedoch das „Wie“ offen. Auch die Öl- und Bergbauindustrie muss nach der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko mit strengeren Vorschriften rechnen.
Unhaltbare Überbewertung der Aktien?
Nicht nur politische und makroökonomische Faktoren waren die Ursache für eine Korrektur auf den Aktienmärkten. Auch andere Signale deuteten darauf hin. Das Wirtschaftswachstum wird nach unserer Prognose mittelfristig weltweit unter den Durchschnittswerten der Vergangenheit liegen. Mitte April überbewertete man die Aktien um circa 15 Prozent – ein Wert, der nicht zu halten war. Schon jetzt beobachten wir bei amerikanischen Unternehmen, dass Analysten ihre Gewinnprognosen seltener nach oben korrigieren. Angesichts des erstarkenden Dollars ist zu erwarten, dass sich dieser Prozess auch während der Ratingsaison im Juli fortsetzen wird.
Abschwächung des Wachstums
Die Stimmung an den Aktienmärkten ist in mehrfacher Hinsicht widersprüchlich. Die Aktionäre haben ihre überhöhten Erwartungen vom April teilweise zurückgeschraubt und sind in ihren Anlageentscheidungen wieder vorsichtiger geworden. Weiterhin verfügen Anleger über ein hohes Maß an Liquidität und investieren wieder vermehrt in Aktienfonds. Die Aktienkurven sacken derzeit oft bis unter den 200-Tages-Durchschnitt, einen wichtigen technischen Indikator. Dies deutet darauf hin, dass das Wachstum sich langsam abkühlt. Saisonale Faktoren spielen momentan auch eine Rolle, doch vor allem die geringere Wachstumsdynamik lässt uns bei der Wahl für Aktien vorsichtig werden.