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Marktvision Juli

Delta Lloyd Asset Management | 14. August 2009
Dinant Wansink Dinant Wansink

Arbeitslosigkeit spielt eine größere Rolle als in früheren Krisen

Dinant Wansink, Strategie-Experte bei Delta Lloyd Asset Management kommentiert:

Die Arbeitslosigkeit in den USA nimmt rasch zu. Dies setzt nicht nur die Wirtschaft unter Druck, sondern sorgt durch Entlassungen auch für geschönte Gewinnspannen der Unternehmen. Trotz sinkender Umsätze sind die präsentierten Unternehmensgewinne weniger schlecht als erwartet. Der Umsatzrückgang wird nämlich durch Kürzungen bei den Personalkosten kompensiert, während die Erzeugerpreise hingegen nur langsam sinken. Allerdings dürften die Entlassungen von heute zu einem geringeren Konsum und zu Umsatzrückgängen in der Zukunft führen.

Arbeitslosigkeit spielt eine größere Rolle als in früheren Krisen

Im Gegensatz zu früheren Krisen spielt das Thema Arbeitslosigkeit dieses Mal eine herausragende Rolle. Bei einem Wirtschaftsabschwung gehen gewöhnlich nacheinander der Wohnungsbau, der Einzelhandelsumsatz und die Investitionen zurück. Dann folgt der Abbau von Arbeitsplätzen. Diesmal manifestiert sich die Arbeitslosigkeit schon in einem früheren Stadium. So stieg die Zahl der Erwerbslosen in den USA in einem bisher unbekannten Ausmaß. Üblicherweise führt ein Rückgang des Wachstums von einem Prozent zu einer Zunahme der Arbeitslosigkeit um etwa 0,66 Prozent. In den vergangenen Monaten veränderte sich die Arbeitslosigkeit jedoch um denselben Prozentsatz wie der Wirtschaftsabschwung. Die Zahl der Erwerblosen stieg von 4,5 Prozent auf 9,5 Prozent. Dies wird in der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung eine wichtige Rolle spielen. Denn Menschen ohne Arbeit können ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen. Daher werden die Banken gezwungen sein, erneut Abschreibungen vorzunehmen. Das führt wiederum dazu, dass die Banken ihre Kreditvergabe noch restriktiver betreiben werden und damit steht die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin unter Druck.

Entlassungen schönen die Gewinnzahlen der Unternehmen

Der Faktor Arbeit beeinflusst auch die Gewinn- und Verlustrechnungen von Unternehmen. Immer mehr amerikanische Unternehmen verkürzen die wöchentliche Arbeitszeit, senken die Löhne oder schicken ihre Mitarbeiter in unbezahlten Urlaub. Auf diese Weise senken die Unternehmen ihre Lohnkosten beträchtlich. Dies erklärt auch, warum viele Betriebe trotz rückläufiger Umsätze gute Ergebnisse vorlegen können. Die Sache hat allerdings einen Haken. Die Arbeitslosigkeit macht sich natürlich auch auf der Konsumentenseite bemerkbar: Menschen ohne Einkommen geben weniger aus. Und dies wird zu Umsatzrückgängen bei den Unternehmen führen. Die Unternehmensergebnisse sind folglich nur vorübergehend relativ gut.

Die Märkte für Aktien und Anleihen bleiben volatil

Die Aussichten für die Unternehmen und Aktienmärkte sind zwar kurzfristig günstig. Aber es ist auffällig, dass die Inflation in einem geringeren Maße sinkt als allgemein erwartet wurde. In einer Phase lang anhaltenden geringen wirtschaftlichen Wachstums oder eines Rückgangs entsteht gewöhnlich in vielen Sektoren ein stärkerer Wettbewerb zwischen den Unternehmen, der zu fallenden Preisen führt. Daran anschließend sinkt normalerweise auch die Inflation, was wiederum gut für die Anleihemärkte ist. Doch auch dieser Mechanismus ist dieses Mal weniger ausgeprägt – es herrscht zwar Rezession, aber die Preise gehen nicht so stark zurück wie erwartet.

Vieles deutet darauf hin, dass die Aktien- und Anleihekurse weiterhin volatil bleiben werden. Für die amerikanische Regierung ist es immer schwieriger, die für wirtschaftliches Wachstum benötigten Anreize zu setzen. Es besteht somit das Risiko, dass die auflaufenden Staatsschulden unbezahlbar werden und die Inflation nicht mehr zu bändigen ist. Das kann eine stockende wirtschaftliche Entwicklung zur Folge haben. Dies spiegelt sich dann in Finanzmärkten ohne lange Trends wider, wobei sich Aktien und Anleihen relativ kurzfristig als Anlageform mit der besten Rendite abwechseln werden.

Dinant Wansink
Stratege Delta Lloyd Asset Management

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