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Marktvision Mai

Delta Lloyd Asset Management | 25. Mai 2009
Dinant Wansink Dinant Wansink

Wirtschaftsabschwung langsamer als erwartet

Die weltweite Konjunkturflaute scheint in den vergangenen Monaten schneller zurückgegangen zu sein, als man Anfang des Jahres zu hoffen gewagt hatte. Dennoch bereitet das schwache Konsumverhalten nach wie vor Sorge.
Obwohl die Weltwirtschaft weniger stark einbricht als erwartet, dürften die Zahlen in den kommenden Quartalen im Minus bleiben. Die Verbraucher sparen lieber anstatt neue Darlehen aufzunehmen, die Kapitalmärkte entwickeln sich schwankend, und die Deflationsgefahr ist noch nicht gebannt.

Wirtschaftsabschwung langsamer als erwartet

Überraschend, aber wahr: Der weltweite Wirtschaftsrückgang ist nicht so arg wie angenommen. So übertrafen die jüngst bekannt gegebenen monatlichen Wirtschaftsdaten Chinas, der USA, Europas und Japans ein ums andere Mal die Erwartungen. Trotzdem wird der konjunkturelle Rückgang wohl noch einige Zeit anhalten. Hauptgrund ist das rückläufige Konsumverhalten. Es wurde zu viel auf Pump gelebt und auf Kredit gekauft, sodass die nächste Zeit von geringerer Nachfrage gekennzeichnet sein wird, getreu dem Motto: sparen, Kredite abbezahlen und weniger Geld leihen. Bei fallenden Immobilienpreisen und zunehmender Arbeitslosigkeit ist das kein Wunder. Die "gewerbliche" Wirtschaft stellt sich da geschickter an. Auf die nachlassende Konjunktur und die rückläufige Nachfrage reagierten die Unternehmen umgehend, indem sie ihre Lagerbestände abbauten, Investitionen zurückstellten und Arbeitsplätze strichen. Viele Betriebe gingen von einem Worst-Case-Szenario aus, wonach die Kreditvergabe gänzlich zum Erliegen kommen würde, was nun doch nicht einzutreffen scheint.

Aktienmärkte weiter volatil

Es fällt auf, dass immer mehr Betriebe Unternehmensanleihen ausgeben, um sich zu finanzieren. Doch während der Markt für Unternehmensanleihen in den Vereinigten Staaten bereits voll entwickelt ist, steckt er in Europa noch in den Kinderschuhen. Hier sind vor allem die Banken für die Kreditvergabe zuständig, allerdings verhalten diese sich angesichts ihrer eigenen Situation und der Konjunkturerwartungen eher zurückhaltend. Die Aktienmärkte haben stark auf die Meldungen reagiert, dass die Wirtschaft weniger schrumpft. Die Volatilität der vergangenen Monate dürfte allerdings angesichts der mal hoffnungs-, mal angstvollen Wirtschaftsprognosen anhalten. Das Gesamtbild ist demzufolge nach wie vor von einer schwachen Konjunktur mit zeitweiligen Erholungsmomenten geprägt. Der Markt für Anleihen und insbesondere für Unternehmensanleihen gibt hingegen ein positiveres Bild ab. Anders als zuvor herrscht weniger Nachfrage nach der absoluten Sicherheit deutscher Anleihen und verringert sich der Länderspread. Folglich sind Anleihen schwächerer Länder wie Griechenland und Italien wieder reizvoller für Anleger, die auf Bewertungsunterschiede setzen.

Das Gespenst der Deflation bereitet den Entscheidungsträgern weiterhin Kopfzerbrechen

Die Inflation dürfte weiter abnehmen und der Moment kommen, ab dem das durchschnittliche Preisniveau immer mehr fällt. Deflation also. Und wenn sich in den Köpfen der Bürger die Idee festsetzt, dass Produkte und Dienstleistungen über lange Zeit günstiger zu haben sein werden, dann bekommen wir richtige Deflationsprobleme. Die Politiker ziehen deshalb nun auch alle Register, um das Deflationsgespenst fernzuhalten – dabei kommen auch eher unkonventionelle Instrumente zum Einsatz. Neben der Zinswaffe betätigt sich die Europäische Zentralbank, kurz EZB, nun immer direkter am Kreditmarkt, um festgefahrenen Segmenten auf die Beine zu helfen. Das alles deutet darauf hin, dass die EZB die Zinsen langfristig niedrig halten wird.


Dinant Wansink
Stratege Delta Lloyd Asset Management

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