Staatsanleihen: Vermeidung von Brandherden lohnt sich
Delta Lloyd Asset Management | 28. Mai 2010
Sandor Steverink, Leitender Fondsmanager Anleihen, kommentiert:
Spannung in der Eurozone steigt
Die große Frage auf den Anleihenmärkten lautet derzeit, ob es der EU und dem IWF gelingen wird, die Finanzkrise in einzelnen Mitgliedsstaaten in den Griff zu bekommen. Die EZB und der IWF brachten jüngst zusammen ein 750 Milliarden schweres Rettungspaket für die südeuropäischen Staaten auf den Weg, doch wahrscheinlich reicht dies noch nicht, um wieder Ruhe an den Anleihemärkten einkehren zu lassen. Steverink: „In der Eurozone kommen derzeit alle Risiken aufs Tapet. Viele Länder wollen nun die Steuern erhöhen, um ihren Haushalt zu sanieren, doch dies wird sich genau gegenteilig auswirken.“
Politische Faktoren
Steuererhöhungen schränken die Unternehmensgewinne ein und sind deshalb keine gute Wahl. Diesem negativen Aspekt kann man mit einer anderen Maßnahme, nämlich der Kürzung der Staatsausgaben, besser begegnen. In dieser Hinsicht setzt etwa die neue britische Regierung ein positives Signal, indem sie direkt die Ministergehälter gekürzt hat. Steverink: „Wir beobachten nun auch die Wahlen in den Niederlanden mit Interesse. Was die Märkte jetzt brauchen, sind Regierungen, die klare Signale senden und keine Angst vor rigorosen Sparmaßnahmen haben. In den Niederlanden wurde in den letzten Jahren kaum gespart. Nun ist es unvermeidlich geworden.“
Mögliche Szenarien für den Euro
„Was die Märkte ebenfalls dringend brauchen, ist Klarheit bezüglich des Euros. Nach meiner Ansicht gibt es drei mögliche Szenarien“, so Steverink. „Zum einen können schwache Länder aus dem Euro aussteigen. Zum anderen besteht auch die Möglichkeit, dass starke Länder wie die Niederlande oder Deutschland den Euro verlassen. Die dritte Möglichkeit ist eine stärkere steuerliche und politische Integration in Europa. Eines dieser drei Szenarien wird mit Sicherheit eintreten. Doch solange die aktuelle Unklarheit andauert, bleiben die Märkte sehr volatil“, Steverink weiter.
Langfristige Vision beweist ihren Wert
Die Lage in Europa ist also derzeit sehr komplex. Daher stellt sich die Frage, wie man damit umgehen soll? Steverink: „Wir halten an unserer langfristigen Vision der Risikovermeidung fest. Deshalb haben wir bereits im Januar einen Großteil der Staatsanleihen südeuropäischer Länder aus unserem Portfolio liquidiert. Diese Maßnahme führten wir durch noch bevor die Schuldenkrise dort ausbrach. Unsere Einschätzung beruhte damals auf einer ausführlichen Analyse, diese fußte unter anderem auf Gesprächen mit dem griechischen Finanzministerium. Unser Risikomanagement und unsere Intuition sagten uns bereits zu diesem Zeitpunkt, dass etwas nicht stimmte.