Zunehmende Unsicherheit durch hohe Staatsverschuldung
Delta Lloyd Asset Management | 23. Februar 2010
Sandor Steverink, Leitender Fondsmanager Anleihen von Delta Lloyd Asset Management, kommentiert:
Immens gestiegene Staatsschulden
Hohe Staatsverschuldung, wachsende Haushaltsdefizite, steigende Arbeitslosenzahlen, negative Handelsbilanzen, nachlassende Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft – all dies gilt nicht nur für Griechenland, sondern für fast alle Länder der westlichen Welt. Die Kreditkrise veranlasste die Regierungen zu massiven Hilfen für Banken und milliardenschweren Konjunkturprogrammen. Dadurch stieg die Staatsverschuldung in den letzten zwei Jahren beachtlich an: in den fünf von der Krise am stärksten gebeutelten Ländern (Island, Irland, USA, Großbritannien und Spanien) sogar um 75 Prozent. In den übrigen Ländern nahm die Staatsverschuldung innerhalb von zwei Jahren um 20 Prozent zu, in den Niederlanden um 30 Prozent und in Griechenland um 15 Prozent.
Schulden – schnell gemacht, aber schwer loszuwerden
Schulden sammeln sich schnell an, doch sie abzubauen braucht viel Zeit. So haben die Niederlande in den zehn Jahren vor der Kreditkrise die Staatsverschuldung schrittweise gesenkt. Nun ist die Verschuldung nach den letzten zwei Jahren jedoch fast wieder so hoch wie früher. Wichtig ist auch ein Blick auf die Haushaltsdefizite, d. h. wie hoch sind die Einnahmen eines Staates und wie viel gibt er aus? Diese Differenz wird meist prozentual zu den Einnahmen angegeben. Bei einem Haushaltsdefizit von 10 Prozent und einer Steuerlast von 40 Prozent gibt ein Land sage und schreibe 25 Prozent mehr aus als es einnimmt. Genau mit diesen Größenordnungen haben die Krisenländer derzeit zu kämpfen.
Lösungen sind schmerzhaft
Eine hohe Staatsverschuldung in Kombination mit einem großen Haushaltsdefizit ist sehr gefährlich. Zwar gibt es Lösungen, doch diese sind schmerzhaft. Die Vergangenheit hat gezeigt, welche Möglichkeiten denkbar sind:
1. Steuererhöhungen und Sparen bei den Ausgaben
2. Zahlungsausfälle einschließlich aufgeschobener Zahlungen oder Umschuldung
3. Verkauf von Besitz wie staatlichen Beteiligungen an Finanzinstituten oder Infrastruktur
4. Senkung der Realschulden durch hohe Inflation
5. Aus den Schulden herauswachsen – Erfahrungsgemäß keine attraktive Option
Ausfälle bei Staatsanleihen?
Zahlungsausfälle der westlichen Staaten sind in den nächsten Jahren nicht mehr unvorstellbar. In Griechenland ist die staatliche Finanzlage sehr schlecht. Auch Spanien sowie Portugal geben Anlass zur Sorge. Zwar gibt es Gerüchte über europäische Staatshilfen für Griechenland, doch sind dabei noch viele Fragen offen. Die Europäische Union hat nämlich nie darüber nachgedacht, wie sie mit Mitgliedstaaten in Schwierigkeiten umgehen will. Die Staatsfinanzen der europäischen Länder, die Ungewissheit möglicher Rettungspläne und eventuell drohende Ausfälle – all dies sorgt für viel Unruhe. Eine gründliche Analyse und weitere Diversifizierung bei staatlichen und staatsabhängigen Anleihen ist daher notwendiger als je zuvor.
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