Bei der Suche nach Renditen zu akzeptablen Risiken bieten sich zur Zeit Sub-Sovereigns an. Sandor Steverink, Leiter des Anleihenteams von Delta Lloyd Asset Management, erläutert warum.
Sub-Sovereigns - Klassenbester unter den festverzinslichen Wertpapieren?
Die Suche nach Rendite mit geringem Risiko
In der Eurozone kämpfen viele Länder unverändert mit
riesigen Schuldenbergen, aktueller Höhepunkt war der Hilferuf aus
Dublin nach Milliarden-Hilfen aus den Partnerländern der Eurozone.
Nach Griechenland ist so schon das zweite Euro-Land auf externe
Hilfe angewiesen. Das macht eine Risikostreuung bei der Auswahl von
Anleihen in der Eurozone immer schwieriger. Zwar gibt es noch
europäische Staaten mit akzeptablen Risiken, doch ihre Zahl ist
begrenzt. Um dennoch eine gute Risikostreuung beizubehalten, passen
wir unsere Portfolios an, wann immer es nötig ist. Zu diesem Zweck
haben wir unter anderem schrittweise Staatsanleihen aus Ländern
außerhalb der Eurozone ohne hohes Währungsrisiko aufgenommen. Ein
anderes attraktives Mittel der Diversifizierung sind die
sogenannten Sub-Sovereigns.
Relativ unbekanntes, attraktives Segment
Sub-Sovereigns, auch halbstaatliche Anleihen genannt, sind
Anleihen öffentlicher Einrichtungen wie Provinzen, Zentralbanken,
supranationale Institutionen und Agenturen. Diese Einrichtungen
haben in der Regel eine solide Bilanz und flexible Einnahmen- und
Ausgabenströme. Auch von Staaten (oder öffentlichen Einrichtungen)
in einer Fremdwährung ausgegebene Anleihen gehören zu dieser
Kategorie. Gerade diese Sub-Sovereigns sind besonders interessant.
So emittieren stabile Länder wie Kanada, Dänemark und Schweden
Staatsanleihen in Euro, die aufgrund ihrer relativ geringen
Bekanntheit etwas weniger liquide sind, aber eine Prämie
bieten.
Stärkere Gewichtungen bietet Chancen
Wir haben unsere Gewichtung in Sub-Sovereigns in den
letzten Jahren stark ausgebaut. Die Rendite von Sub-Sovereigns
bewegt sich nun nahe am historischen Mittel, ist aber immer noch
deutlich höher als bei Staatsanleihen. Ein gutes Beispiel sind die
in Euro ausgegebenen 10 Jahres Sub-Sovereigns der Province of
Ontario. Gegenüber deutschen Staatsanleihen mit derselben Laufzeit
bietet dieser Sub-Sovereign einen Mehrertrag von 65
Basispunkten.
Kritisches Hinschauen gefragt
Bevor wir Sub-Sovereigns in unsere Portfolios aufnehmen,
führen wir zunächst eine gründliche Analyse des Landes durch.
Anschließend nehmen wir die emittierende Einrichtung selbst unter
die Lupe. Dabei gehen wir ähnlich vor wie bei einer ausführlichen
Prüfung eines Unternehmens. Bilanz, Einnahmen und Ausgaben - alles
wird kritisch betrachtet, um übermäßig hohe Risiken aus unseren
Portfolios auszuschließen. Anlagen in Sub-Sovereigns müssen also
genauestens geprüft werden. Doch wem es gelingt, die Spreu vom
Weizen zu trennen, der kann mit dieser Kategorie bei relativ
geringem Risiko eine ordentliche Rendite einfahren.