Tiefe Gräben durchziehen derzeit die Welt in finanzwirtschaftlicher Hinsicht. Anzeichen dafür sind unter anderem steigende Währungsrisiken.
Nach der Eintracht 2009
Die Jahre 2009 und 2010 weisen sehr große Gegensätze auf.
Im vergangenen Jahr lautete die Devise der Staatsregierungen noch
"internationale Zusammenarbeit". Mit der auf einer IWF-Sitzung im
April 2009 zugesagten Hilfe für notleidende Länder erreichte die
Eintracht zwischen den Nationen ihren Höhepunkt. Zudem schien sich
die Welt schneller als erwartet von ihren Problemen zu erholen. Die
Banken machten wieder Gewinn, die amerikanischen Immobilienpreise
stiegen und die Wirtschaftstätigkeit in den Emerging Markets wuchs
im bekannt hohen Tempo weiter.
... nun die Zwietracht 2010
Wie anders sieht es 2010 aus! Das Wirtschaftswachstum
blieb bald hinter den Erwartungen zurück. Zudem zeigte sich, dass
die Immobilienpreise und Bankengewinne dem Abbau der
Fördermaßnahmen nicht standhalten. Reibungen traten zutage, als die
Anleger zunehmend zwischen Ländern mit niedriger und hoher
Kreditwürdigkeit unterschieden. Zudem waren in den Niederlanden
Konflikte zwischen Befürwortern und Gegnern eines letzten
Konjunkturpakets zu beobachten. Auch international verstärkten sich
die Gegensätze. So bewertete der deutsche Finanzminister die
amerikanische Politik als untauglich, während sein amerikanischer
Amtskollege anmerkte, dass Länder mit Haushaltsüberschüssen tiefer
in die Tasche greifen sollen. Schon zuvor hatte Deutschland betont,
dass es bei eventuellen künftigen Krisen Ländern aus der Eurozone
nicht helfen werde. Auch die EZB sieht ihre Rolle gegenüber
Problemländern eher bescheiden.
Ausweitung der Geldmenge in den USA führt zu
Inflation
Die Vereinigten Staaten versuchen, mit einer gelockerten
Geldpolitik, die aus dem Aufkauf der Staatsschulden besteht, die
Wirtschaft in Gang zu halten und die Inflation auf mindestens zwei
Prozent zu pushen. Ob Ersteres glückt, ist fraglich. Die
Verbraucher versuchen nämlich, ihre Schulden zu tilgen, und die
Banken sind immer noch vorsichtig. In einem solchen Klima ist kaum
eine zusätzliche Kreditvergabe als Reaktion auf die Zinssenkung zu
erwarten, die mit der monetären Ausweitung einhergeht. Die
Geldpolitik stützt die Aktienkurse, nicht aber die
Immobilienbranche. Dort fallen die Preise gerade wieder, obwohl sie
die wichtigste Vermögensquelle für Familien sind. Auch in dieser
Hinsicht gibt es somit keinen Grund für eine zunehmende
Kaufbereitschaft. Der Dollar verlor zwar gegenüber dem Euro an
Wert, weniger jedoch gegenüber den Währungen der Länder, die
Gegenmaßnahmen ergriffen. Zudem dauert es seine Zeit, bis sich
dieser Rückgang auf den Handelsverkehr auswirkt. Allerdings sorgt
der niedrigere Dollar wegen der wesentlich höheren Rohstoffpreise
in Dollar für einen Anstieg der Inflation.
Dollarkurs auf dem Aktienmarkt im Rampenlicht
Im ersten Jahr der Erholung waren risikoreiche
Anlagekategorien die eindeutigen Sieger, doch auch Staatsanleihen
hielten sich gut. Im zweiten Jahr sind die Unterschiede zwischen
Aktien und Staatsanleihen viel weniger ausgeprägt und die Renditen
kommen über den einstelligen Bereich nicht hinaus. Umso auffälliger
sind die Bewegungen innerhalb dieser Anlagekategorien. Bei
Staatsanleihen gibt es immense Renditeunterschiede zwischen starken
und schwachen Euro-Mitgliedstaaten. Für die unterschiedliche
Entwicklung der internationalen Aktienmärkte ist der Dollarkurs
derzeit ein entscheidender Faktor. Kurzum: Es ergeben sich
Renditeunterschiede durch internationale Spannungen. Innerhalb
unserer neutralen Verteilung auf die genannten Anlagekategorien
wird es immer wichtiger, auf diese Unterschiede zu reagieren.
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