Bei einigen gut vorhersehbaren Inflationskomponenten werden große Bewegungen erwartet. Dadurch nehmen die Möglichkeiten zu, sich gezielt auf die Inflationsentwicklungen einzustellen.
Inflationsfaktoren voraussagen: Basiseffekte
Inflationsvorhersagen zu treffen, ist recht schwierig.
Mehrere Größen, wie der Ölpreis, sind nahezu unvorhersehbar. Drei
inflationsbestimmende Faktoren sind allerdings durchaus gut
einzuschätzen. Zum ersten sind das die sogenannten Basiseffekte.
Anleger behalten insbesondere die Inflation auf Jahresbasis im
Auge, die sich aus zwölf Monatswerten zusammensetzt. Jeden Monat
wird die Preisentwicklung eines weiteren Monats hinzugefügt und der
älteste Monatswert herausgenommen. Der wegfallende Monatswert ist
somit für die Veränderung der Jahresrate zur Hälfte verantwortlich:
Dies wird als Basiseffekt bezeichnet. Richten wir den Blick nach
Spanien, dann sehen wir, dass die spanische Mehrwertsteuererhöhung
vom Juli 2010 im Juli 2011 nicht mehr in die Jahresinflation
eingerechnet wird. Das macht erwartungsgemäß einen Unterschied von
0,2 bis 0,3 Prozentpunkten in der Inflationsrate aus.
Steigende Erdgas- und Nahrungsmittelpreise
Auch die Verbraucherpreise, die verzögert auf die
Weltmarktpreise für Grundstoffe reagieren, sind gut vorhersagbar.
Der Benzinpreis ist hiervon ausgenommen, denn er ist dem Ölpreis
dicht auf den Fersen. Für die Verbraucherpreise von Erdgas und
Nahrungsmitteln gilt diese Regel aber schon. Höchst- und Tiefpreise
für die Verbraucher entstehen erst zwei bis drei Quartale nach den
Extrempreisen der zugrundeliegenden Rohstoffe. Die Gaspreise sind
in den vergangenen Monaten kräftig angestiegen und die
Grundstoffpreise für Nahrungsmittel liegen bereits über dem
Höchststand von Mitte 2008. Daraus dürften sich diesmal größere
Preissteigerungen ergeben, denn im Jahr 2008 war der Euro noch
relativ stark und die europäische Agrarpolitik hatte mehr Einfluss
auf die Nahrungsmittelpreise. Des Weiteren haben
Nahrungsmittelhersteller durch das leicht gestiegene
Verbrauchervertrauen weiterhin Spielraum, um steigende
Grundstoffpreise weiterzugeben.
Auflaufende Wohnkosten in den USA
Drittens hilft es, wenn man weiß, woraus
Inflationsmessungen genau bestehen. Die Methoden gehen stark
auseinander. So machen in den USA die Wohnkosten ein Drittel des
Inflationsindexes aus, während sie im Euroraum weniger als ein
Zehntel betragen. Da die Wohnkosten in den USA mit den Mietsummen
gleichgestellt sind, erwarten wir einen starken Anstieg des
amerikanischen Preisindexes. Durch die Immobilienkrise bevorzugen
US-Bürger Mietverhältnisse. Wohnungsfonds sprechen bereits von
ordentlichen Mietsteigerungen.
Auf Inflationserwartungen reagieren
Stark inflationsbestimmend ist normalerweise das Maß der
Unterauslastung von Maschinen und der Unterbeschäftigung von
Personal (Arbeitslosigkeit). Das Besondere an der Kreditkrise ist
jedoch, dass die Unterauslastung nun bereits schon seit einigen
Jahren besteht. Dadurch ist dieser Zusammenhang nicht mehr so
eindeutig und es gibt stärkere Preisreaktionen, wenn es zu einer
unerwarteten Nachfrage kommt, wie momentan in der Automobilbranche.
In unserer Anlagestrategie nutzen wir bis zum Sommer lieber die
Chancen, die durch sicherere Faktoren gestützt sind, insbesondere
dort, wo die Inflationserwartungen an den Finanzmärkten nicht
richtig eingerechnet sind.
Aktienposition übergewichtet
Obschon die Inflation der EZB Sorge bereitet, wird es
unserer Ansicht nach - anders als in den USA - vorläufig keine
Leitzinserhöhungen geben. Da sich die Marktzinsen noch ein gutes
Stück erholen können, haben wir festverzinsliche Werte
untergewichtet. Bei Aktien sind wir gerade übergewichtet. Die
Möglichkeit, Kostenerhöhungen ohne Verbraucherproteste
weiterzugeben, dürfte für die Aktienkurse der Unternehmen
entscheidend sein.
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