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Inflationsvorhersagen nutzen

Dinant Wansink \\ 24 Februar 2011
Dinant Wansink Dinant Wansink

Bei einigen gut vorhersehbaren Inflationskomponenten werden große Bewegungen erwartet. Dadurch nehmen die Möglichkeiten zu, sich gezielt auf die Inflationsentwicklungen einzustellen.

Inflationsfaktoren voraussagen: Basiseffekte
Inflationsvorhersagen zu treffen, ist recht schwierig. Mehrere Größen, wie der Ölpreis, sind nahezu unvorhersehbar. Drei inflationsbestimmende Faktoren sind allerdings durchaus gut einzuschätzen. Zum ersten sind das die sogenannten Basiseffekte. Anleger behalten insbesondere die Inflation auf Jahresbasis im Auge, die sich aus zwölf Monatswerten zusammensetzt. Jeden Monat wird die Preisentwicklung eines weiteren Monats hinzugefügt und der älteste Monatswert herausgenommen. Der wegfallende Monatswert ist somit für die Veränderung der Jahresrate zur Hälfte verantwortlich: Dies wird als Basiseffekt bezeichnet. Richten wir den Blick nach Spanien, dann sehen wir, dass die spanische Mehrwertsteuererhöhung vom Juli 2010 im Juli 2011 nicht mehr in die Jahresinflation eingerechnet wird. Das macht erwartungsgemäß einen Unterschied von 0,2 bis 0,3 Prozentpunkten in der Inflationsrate aus.

Steigende Erdgas- und Nahrungsmittelpreise
Auch die Verbraucherpreise, die verzögert auf die Weltmarktpreise für Grundstoffe reagieren, sind gut vorhersagbar. Der Benzinpreis ist hiervon ausgenommen, denn er ist dem Ölpreis dicht auf den Fersen. Für die Verbraucherpreise von Erdgas und Nahrungsmitteln gilt diese Regel aber schon. Höchst- und Tiefpreise für die Verbraucher entstehen erst zwei bis drei Quartale nach den Extrempreisen der zugrundeliegenden Rohstoffe. Die Gaspreise sind in den vergangenen Monaten kräftig angestiegen und die Grundstoffpreise für Nahrungsmittel liegen bereits über dem Höchststand von Mitte 2008. Daraus dürften sich diesmal größere Preissteigerungen ergeben, denn im Jahr 2008 war der Euro noch relativ stark und die europäische Agrarpolitik hatte mehr Einfluss auf die Nahrungsmittelpreise. Des Weiteren haben Nahrungsmittelhersteller durch das leicht gestiegene Verbrauchervertrauen weiterhin Spielraum, um steigende Grundstoffpreise weiterzugeben.

Auflaufende Wohnkosten in den USA
Drittens hilft es, wenn man weiß, woraus Inflationsmessungen genau bestehen. Die Methoden gehen stark auseinander. So machen in den USA die Wohnkosten ein Drittel des Inflationsindexes aus, während sie im Euroraum weniger als ein Zehntel betragen. Da die Wohnkosten in den USA mit den Mietsummen gleichgestellt sind, erwarten wir einen starken Anstieg des amerikanischen Preisindexes. Durch die Immobilienkrise bevorzugen US-Bürger Mietverhältnisse. Wohnungsfonds sprechen bereits von ordentlichen Mietsteigerungen.

Auf Inflationserwartungen reagieren
Stark inflationsbestimmend ist normalerweise das Maß der Unterauslastung von Maschinen und der Unterbeschäftigung von Personal (Arbeitslosigkeit). Das Besondere an der Kreditkrise ist jedoch, dass die Unterauslastung nun bereits schon seit einigen Jahren besteht. Dadurch ist dieser Zusammenhang nicht mehr so eindeutig und es gibt stärkere Preisreaktionen, wenn es zu einer unerwarteten Nachfrage kommt, wie momentan in der Automobilbranche. In unserer Anlagestrategie nutzen wir bis zum Sommer lieber die Chancen, die durch sicherere Faktoren gestützt sind, insbesondere dort, wo die Inflationserwartungen an den Finanzmärkten nicht richtig eingerechnet sind.

Aktienposition übergewichtet
Obschon die Inflation der EZB Sorge bereitet, wird es unserer Ansicht nach - anders als in den USA - vorläufig keine Leitzinserhöhungen geben. Da sich die Marktzinsen noch ein gutes Stück erholen können, haben wir festverzinsliche Werte untergewichtet. Bei Aktien sind wir gerade übergewichtet. Die Möglichkeit, Kostenerhöhungen ohne Verbraucherproteste weiterzugeben, dürfte für die Aktienkurse der Unternehmen entscheidend sein.

 

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