Risikovermeidung und festverzinsliche Anlagen sind zwei Seiten derselben Medaille, zumindest sollte das unserer Meinung nach so sein.
Sandor Steverink, Leitender Fondsmanager Anleihen,
kommentiert:
Seit Beginn der Kreditkrise ist die Vermeidung von Risiken
eine immer komplexere Aufgabe geworden, u. a. durch die
problematische Staatsverschuldung in Europa. Nun sind für
Festzinsanleger zwei weitere Risikofaktoren hinzugekommen: die
Unruhe im Nahen Osten und die geplante Zinserhöhung der EZB.
Unruhe im Nahen Osten
"Brot und Spiele fürs Volk" - dass diese alte Redensart
immer noch gilt, zeigen die Unruhen im Nahen Osten und in
Nordafrika. Die steigenden Lebensmittelpreise treffen diese meist
armen Länder hart und sind unmittelbarer Anlass des Ausbruchs der
Unruhen. Zudem spielt auch die Forderung nach mehr Mitsprache und
Demokratie eine Rolle. Das politische Risiko in diesen Ländern ist
groß und beeinflusst auch andere Emerging Markets wie China. Dank
Internet verbreiten sich Nachrichten über die Revolutionen schnell,
auch wenn autoritäre Regime dies zu verhindern versuchen.
EZB-Zinserhöhung
Von den Unruhen im Nahen Osten zur geplanten Zinserhöhung
der EZB im April - dieser Sprung scheint größer, als er eigentlich
ist. Denn wegen der Beeinträchtigung der Ölförderung im Nahen Osten
schnellen die Ölpreise nach oben. Neben höheren Lebensmittelpreisen
sorgt der höhere Ölpreis für einen besonders starken Anstieg der
von der EZB ängstlich bewachten Inflation. Deshalb wird die EZB den
Zinssatz für kurze Laufzeiten im April erstmalig seit Juni 2008
anheben. Dadurch dürften vor allem die Renditen kurzfristiger
Anleihen unter Druck geraten, die von einer Zinserhöhung am
stärksten betroffen sind.
Europäische Peripheriestaaten unter starkem Druck
Durch die Unruhen im Nahen Osten und die Zinspläne der EZB
erhöhen sich die Länderrisiken in den europäischen
Peripheriestaaten erheblich. So kommt es möglicherweise zu großen
Flüchtlingsströmen aus den arabischen Ländern. Logischerweise
erreichen diese zuerst Südeuropa und es ist unklar, wie sich das
auswirkt. Zudem werden die Finanzierungskosten in allen
schuldengebeutelten Peripheriestaaten durch die Zinserhöhung stark
steigen. Damit wird wohl auch die Wahrscheinlichkeit von
Umschuldungen zunehmen. Zudem dürften auch die Banken nicht
glücklich sein, denn für sie wird es teurer, wenn sie Geld von der
EZB brauchen. Dadurch verringern sich ihre Gewinnmargen bei der
Kreditvergabe.
Risikovermeidung wird belohnt
Wir selbst konnten rechtzeitig auf die steigende Inflation
reagieren, indem wir unsere Beteiligung an inflationsgeschützten
Anleihen aufstockten. Auch die Zinserhöhung der EZB sahen wir schon
vor geraumer Zeit kommen. So konnten wir unsere Positionen an
Anleihen mit kurzen Laufzeiten rechtzeitig zurückfahren und unsere
Zinsabhängigkeit reduzieren. Ferner investieren wir wenig in den
europäischen Peripheriestaaten und haben keine Exposure in die
arabischen Länder. Dies sorgt für Stabilität in unseren Portfolios.
Was vielleicht auch bei unserer jüngsten Auszeichnung als bester
Fixed Income Fondsmanager durch die belgischen Tageszeitungen "De
Tijd" und "L'Echo" eine Rolle gespielt hat.
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