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Eingehen auf veränderte Risiken lohnt sich

Sandor Steverink \\ 29 März 2011
Sandor Steverink Sandor Steverink Leitender Fondsmanager Anleihen

Risikovermeidung und festverzinsliche Anlagen sind zwei Seiten derselben Medaille, zumindest sollte das unserer Meinung nach so sein.

Sandor Steverink, Leitender Fondsmanager Anleihen, kommentiert:
Seit Beginn der Kreditkrise ist die Vermeidung von Risiken eine immer komplexere Aufgabe geworden, u. a. durch die problematische Staatsverschuldung in Europa. Nun sind für Festzinsanleger zwei weitere Risikofaktoren hinzugekommen: die Unruhe im Nahen Osten und die geplante Zinserhöhung der EZB.

Unruhe im Nahen Osten
"Brot und Spiele fürs Volk" - dass diese alte Redensart immer noch gilt, zeigen die Unruhen im Nahen Osten und in Nordafrika. Die steigenden Lebensmittelpreise treffen diese meist armen Länder hart und sind unmittelbarer Anlass des Ausbruchs der Unruhen. Zudem spielt auch die Forderung nach mehr Mitsprache und Demokratie eine Rolle. Das politische Risiko in diesen Ländern ist groß und beeinflusst auch andere Emerging Markets wie China. Dank Internet verbreiten sich Nachrichten über die Revolutionen schnell, auch wenn autoritäre Regime dies zu verhindern versuchen.

EZB-Zinserhöhung
Von den Unruhen im Nahen Osten zur geplanten Zinserhöhung der EZB im April - dieser Sprung scheint größer, als er eigentlich ist. Denn wegen der Beeinträchtigung der Ölförderung im Nahen Osten schnellen die Ölpreise nach oben. Neben höheren Lebensmittelpreisen sorgt der höhere Ölpreis für einen besonders starken Anstieg der von der EZB ängstlich bewachten Inflation. Deshalb wird die EZB den Zinssatz für kurze Laufzeiten im April erstmalig seit Juni 2008 anheben. Dadurch dürften vor allem die Renditen kurzfristiger Anleihen unter Druck geraten, die von einer Zinserhöhung am stärksten betroffen sind.

Europäische Peripheriestaaten unter starkem Druck
Durch die Unruhen im Nahen Osten und die Zinspläne der EZB erhöhen sich die Länderrisiken in den europäischen Peripheriestaaten erheblich. So kommt es möglicherweise zu großen Flüchtlingsströmen aus den arabischen Ländern. Logischerweise erreichen diese zuerst Südeuropa und es ist unklar, wie sich das auswirkt. Zudem werden die Finanzierungskosten in allen schuldengebeutelten Peripheriestaaten durch die Zinserhöhung stark steigen. Damit wird wohl auch die Wahrscheinlichkeit von Umschuldungen zunehmen. Zudem dürften auch die Banken nicht glücklich sein, denn für sie wird es teurer, wenn sie Geld von der EZB brauchen. Dadurch verringern sich ihre Gewinnmargen bei der Kreditvergabe.

Risikovermeidung wird belohnt
Wir selbst konnten rechtzeitig auf die steigende Inflation reagieren, indem wir unsere Beteiligung an inflationsgeschützten Anleihen aufstockten. Auch die Zinserhöhung der EZB sahen wir schon vor geraumer Zeit kommen. So konnten wir unsere Positionen an Anleihen mit kurzen Laufzeiten rechtzeitig zurückfahren und unsere Zinsabhängigkeit reduzieren. Ferner investieren wir wenig in den europäischen Peripheriestaaten und haben keine Exposure in die arabischen Länder. Dies sorgt für Stabilität in unseren Portfolios. Was vielleicht auch bei unserer jüngsten Auszeichnung als bester Fixed Income Fondsmanager durch die belgischen Tageszeitungen "De Tijd" und "L'Echo" eine Rolle gespielt hat.


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