Angesichts der europäischen Länderrisiken ist eine breite Streuung für Festzinsanleger so wichtig wie noch nie. Sandor Steverink, leitender Fondsmanager Anleihen von Delta Lloyd Asset Management, erklärt warum
Europa: Warten auf das Unausweichliche
Die Stimmung in Europa ist derzeit wie ein Warten auf das
Unausweichliche. Griechische Staatsanleihen werden weit unter ihrem
Nennwert gehandelt - ein Hinweis dafür, dass die Anleger mit
Zahlungsausfällen rechnen. Wie anders war dies etwa bei der
Lehman-Pleite, die den Beginn der Kreditkrise markierte! Der
Niedergang von Lehman kam völlig überraschend. Bei den europäischen
Staatsschulden stellt sich eher die Frage, wann Griechenland,
Irland und Portugal nicht mehr zahlungsfähig sind. Zudem ist
fraglich, ob das große Spanien ungeschoren davon kommt.
Länder müssen betriebswirtschaftlicher agieren
Die europäische Staatsschuldenkrise hat klar gemacht, wie
wichtig betriebswirtschaftliches Handeln für Staaten ist. Es muss
strengere Buchhaltungsregeln für Länder geben, wie sie auch für
Unternehmen gelten. So erhält man einen besseren Einblick in die
Risiken eines Landes und verhindert, dass Anleger sich auf
irreführende Zahlen verlassen müssen. Die Krise hat auch gezeigt,
dass eine einheitlichere europäische Steuer- und Rentenpolitik
unvermeidlich ist. Und die berüchtigten Haushaltslöcher? In diesem
Punkt müssen die Länder schnell einen Haushaltsüberschuss
anstreben, genau wie die Unternehmen in den letzten Jahren alles
daran gesetzt haben, ihr Eigenkapital und ihre Wettbewerbsfähigkeit
wieder herzustellen.
Streuung lautet das Credo
Als Anleiheninvestoren betrachten wir Länder genauso, als
ob es Unternehmen wären, und sehen Risiken schon frühzeitig kommen.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Delta Lloyd L Bond Euro, aber auch
bei unseren anderen Anleihenfonds gehen wir so vor. Daher ist
unsere Positionierung vorsichtig, wobei wir die europäischen
Randgebiete, Frankreich und Spanien nach Möglichkeit meiden. Unter
anderem mit unserem nüchteren Blick sehen wir wie kein anderer, wie
wichtig eine breite Streuung bei Ländern und Laufzeiten ist. Auch
dank unserer sorgfältigen Streuung und unseres Einblicks in die
Länderrisiken erzielen unsere Anleihenfonds sogar unter den derzeit
schwierigen Bedingungen eine überdurchschnittliche Rendite.
Auswirkung der Länderrisiken auf
Unternehmensanleihen
Anleger, die in Unternehmensanleihen investieren, müssen
den Einfluss der Länderrisiken im Auge behalten, vor allem bei
Banken. Da eine Abwertung griechischer Staatspapiere nun
unabwendbar erscheint, tragen Banken, die viele griechische Papiere
halten, immense Risiken. Zudem stehen die griechischen
Staatsanleihen bei ihnen noch zum Nennwert in der Bilanz, obwohl
der wirtschaftliche Wert viel geringer ist. Dadurch ist die
Situation noch dramatischer, als sie auf dem Papier aussieht. Wir
halten uns daher bei Anleihen europäischer Banken zurück und setzen
eher auf Euro-Anleihen beispielsweise brasilianischer oder
indischer Banken. Die bieten dank ihrer strengen Regulierung viel
Stabilität.
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