Die Unsicherheit über mögliche Zinserhöhungen und Probleme in den europäischen Randgebieten bereiten weiterhin Sorge Fondsmanager Sandor Steverink skizziert das sich verändernde Umfeld auf dem Anleihenmarkt.
Europäische Zinskurven
Die Problematik der Staatsverschuldung in Europa lässt
sich eigentlich nicht besser veranschaulichen als durch die
europäischen Zinskurven. Die wichtigste von ihnen ist die deutsche
Zinskurve. Sie bildet innerhalb Europas die Benchmark und stellt
für Investoren daher eine wichtige Richtschnur dar. Die deutsche
Zinskurve hat derzeit einen normalen, ansteigenden Verlauf. Das
bedeutet, dass die Anleger mehr Vergütungen für eingegangene
Risiken verlangen, je länger Geld verliehen wird, weil sowohl das
Zahlungsausfallrisiko als auch das Zinsrisiko steigt. In Ländern
wie Griechenland, Irland und Portugal ist die Zinskurve rückläufig.
Dies sagt aus, dass die Anleger kurzfristig ein höheres Risiko
sehen als langfristig.
Zinserhöhungen durch die EZB?
Die Zinspolitik der EZB hat großen Einfluss auf die
Zinskurven. Im April erhöhte die EZB die Zinsen um 0,25%. Diesen
Monat wiederholte die EZB diesen Schritt, aber nach unserer
Einschätzung wird es dabei bleiben. Die EZB wendet Zinserhöhungen
als Mittel an, um die Inflation im Zaum zu halten, während diese
unserer Ansicht nach ihren Spitzenwert nun erreicht hat. Die Öl-
und Rohstoffpreise sind gesunken, was die Inflation dämpft. Sollte
die EZB die (kurzfristigen) Zinsen dennoch weiter erhöhen, dann
werden die Kurse von Rentenpapieren fallen. Die deutsche Zinskurve
flacht dann ab, weil sich der kurz- und der langfristige Zinssatz
einander annähern.
Pensionsfonds
Pensionsfonds werden die Zinsentwicklungen mit Argusaugen
verfolgen, denn der Zinssatz kann sich massiv auf die Rendite ihrer
festverzinslichen Anlagen auswirken. Immer häufiger stellt sich die
Frage, wo sie diese Rendite erzielen sollen. Staatsanleihen sind
nicht mehr der sichere Hafen, der sie einst waren, wohingegen
Unternehmensanleihen das Image einer immer größeren Sicherheit
bekommen. Die Unternehmen schreiben derzeit gesunde Bilanzen,
worauf viele Länder heute neidvoll blicken. Sollte aber die EZB die
Zinsen wider Erwarten weiter erhöhen, könnte das
Unternehmensanleihen durch eine niedrigere Risikoprämie weniger
interessant machen.
Diversifikation
Sowohl für institutionelle als auch private Anleger, die
in Staatsanleihen investieren und große Risiken vermeiden wollen,
ist die Suche nach Renditen schwieriger denn je. Wir selbst suchen
immer häufiger nach Renditen außerhalb Europas und außerhalb von
Staaten. Anleihen von staatsgarantierten überstaatlichen
Organisationen und Behörden machen einen immer größeren Anteil
unseres Anleihenportfolios aus. Darunter fallen auch Euro-Anleihen
aus solchen Ländern außerhalb der Eurozone, in denen die Finanzlage
besser ist. Zugleich sorgen wir für eine breite Streuung über
Länder, Emittenten und Laufzeiten hinweg, um so das
Konzentrationsrisiko zu begrenzen.
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