Diskriminierung der Dividende ist manchmal notwendig

Ingmar Schaefer \\ 21 Februar 2012
Ingmar Schaefer Ingmar Schaefer Fondsmanager

Warren Buffett sagte einmal: Die Dividendenpolitik wird den Aktionären zwar häufig mitgeteilt, aber selten erklärt. Wie sieht denn nun eine gute Dividendenpolitik aus? Dies erläutert Ingmar Schaefer - Fondsmanager des European Mid-Participation Funds.

Kürzlich enttäuschte Telefonica seine Anleger mit der Ankündigung, die Dividende zu senken. Nur wenige Monate zuvor hatte das Management die Höhe der Dividende noch für unantastbar erklärt. Dieses Beispiel wirft die Frage auf, wie denn nun eine gute Dividendenpolitik aussieht. Warren Buffett sagte einmal: Die Dividendenpolitik wird den Aktionären zwar häufig mitgeteilt, aber selten erklärt. Ein typisches Unternehmen verkündet beispielsweise: "Unser Ziel ist es, 40 bis 50 Prozent des Gewinns auszuschütten" oder "Wir zahlen mindestens x Euro pro Aktie". Die Überlegungen, die dieser Politik zugrunde liegen, werden meist nicht angesprochen. Die Abwägung zwischen dem Einbehalten und Verteilen von Kapital ist jedoch eine wichtige Aufgabe des Managements.

Das Management muss sich fragen: Wie verwenden wir den Free Cash Flow zum optimalen Nutzen unserer Aktionäre? Dies ist eine Abwägung zwischen der sofortigen Rendite (Dividende) und der künftigen Rendite durch die Wertschöpfung mittels Neuinvestitionen (natürlich sind Schuldentilgung, Aufkauf eigener Aktien und Übernahmen ebenfalls Optionen, die je nach Attraktivität ins Auge gefasst werden können). Dies ist allerdings keine leichte Aufgabe. Häufig investieren Unternehmen, die in ihrem Core Business erfolgreich sind, in eine andere Aktivität mit geringerer Rendite. Oder sie schließen bei hoher Konjunktur teure Übernahmen ab, die keinen Mehrwert bieten. Manchmal werden auch eigene Aktien zu teuer gekauft. Dies taten beispielsweise viele Banken 2006 und 2007, als die Kurse ihrer Aktien Höchstwerte erzielten. In diesen Fällen ist es besser, Kapital an die Aktionäre zurückzuzahlen, die dann selbst entscheiden können, wo sie es rentabel einsetzen können.

Deshalb ist es für Aktionäre wichtig, eine Vorstellung von der Rendite neuer Investitionen oder anderer Kapitalverwendungen zu haben. Dafür muss man das Unternehmen gut kennen. Außerdem bedarf es dazu einer langjährigen Beziehung zum Management, um eine sorgfältige Einschätzung der Rendite von Wachstumsmöglichkeiten vornehmen zu können. Das Vertrauen der Aktionäre in das Management als gute Kapitalverwalter ist entscheidend. Ein vernünftiges Management trifft eine durchdachte Entscheidung zwischen Wertschöpfung auf der einen und Neuinvestitionen auf der anderen Seite.

Unserer Meinung nach halten sich zu viele Anleger stur an die Höhe der Dividendenrendite und lassen dabei die Wertschöpfung (oder Wertvernichtung) durch Neuinvestitionen außer Acht. So kann im Hinblick auf die Gesamtrendite eine Aktie mit einer Dividendenrendite von 4 % und einer Gewinnausschüttung von 40 % eine bessere Anlage sein als eine Aktie mit einer Dividendenrendite von 7 % und einer Gewinnausschüttung von 90 %. Die Gefahr einer Dividendenabsenkung ist bei der letztgenannten Aktie nämlich groß, vor allem wenn die Unternehmensbilanz schwach ist. Durch den Kauf einer solchen Aktie würde sich die Gefahr eines permanenten Kapitalverlusts erhöhen. Anleger sind also gut beraten, nicht nur nach einer hohen Dividendenrendite zu schauen.

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