Was bringt 2012?

Sandor Steverink \\ 02 Februar 2012
Sandor Steverink Sandor Steverink Leitender Fondsmanager Anleihen

2012 wird das Rating europäischer Staatsanleihen eine entscheidende Rolle spielen. Sandor Steverink, Leiter des Anleihenteams von Delta Lloyd Asset Management, erläutert, was es damit auf sich hat.

Nie dagewesene Renditeunterschiede
Wird 2012 für Anleger im Bereich Anleihen zum Jahr der Wahrheit? Das lässt sich noch nicht mit Sicherheit sagen. Fest steht jedoch, dass das neue Jahr Bond-Investoren vor ein gewaltiges Dilemma stellt. Früher war vor allem das Risiko ausschlaggebend für Investmententscheidung, da sich die Renditen bei Staatsanleihen nicht wesentlich unterschieden haben.. Das ist heute anders. Die Renditeunterschiede bei europäischen Staatsanleihen haben ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht. Die Frage, welche Rendite welches Risiko wert ist, also die Risiko-Rendite-Abwägung, ist schwieriger zu beantworten als je zuvor.

Szenarienanalyse gefragt
Wer vertretbare Entscheidungen treffen will, muss zunächst die möglichen Szenarien in Europa gründlich analysieren. Nehmen wir beispielsweise ein riskantes Land wie Italien, das wir bisher kaum im Portfolio haben. Um zu beurteilen, wie groß das Abwärtsrisiko ist, berücksichtigen wir diverse Szenarien. Angenommen Italien tritt aus dem Euro aus, dann gehen die Anleger ein großes Abwärts- oder Abwertungsrisiko ein. Doch wenn Italien im Euro bleibt und die Währungsunion vielleicht enger wird, nimmt das Aufwärtspotenzial zu. Kurz gesagt: Die Erstellung von Worst- und Best-Case-Szenarien ist 2012 unverzichtbar. 

Flexibel sein und Chancen erkennen
Auch wenn die Risiken in den Randgebieten groß sind, lassen wir südeuropäische Staatsanleihen nicht außer Acht. Wir sind uns der Risiken bewusst, halten aber die Augen offen für mögliche Chancen - auch am Rande Europas. Denn die Märkte können auch übers Ziel hinausschießen, sowohl nach oben als auch nach unten. Wo die Bewertungsuntergrenze liegt, ist noch nicht absehbar, aber wir verfolgen das genau. Im Übrigen ist die Frage noch offen, was 2012 unter den Begriffen "core" (Kernländer) und Peripherie zu verstehen ist. Vielleicht verschieben sich die Grenzen der Peripherie weiter nach Norden. Selbst ein Land wie die Niederlande birgt wegen der enormen Hypothekschulden Risiken und könnte dieses Jahr durchaus seinen AAA-Status verlieren.

Ratings sind entscheidend
2011 gehörte die Performance unserer Anleihenfonds zur Marktspitze. Maßgeblich für unsere Anlageentscheidungen 2012 werden mehr denn je Ratings sein. Diese sind im letzten Jahr gestiegen, obwohl die Schulden in vielen Ländern unverändert hoch sind. Falsche Anleihen gibt es unserer Meinung nach nicht, falsche Ratings hingegen schon. Entscheidend ist daher: Wie beurteilen wir den Emittenten und welcher Preis ist für die betreffende Anleihe gerechtfertigt? Wer darauf fundierte Antworten findet, kann bei seiner Anlageentscheidung 2012 sogar bei griechischen Staatsanleihen landen.

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